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Die Historie

Historie einer der ältesten rein erhaltenen Schweinerassen Europas

Funde von Hausschweinen in den frühen jungsteinzeitlichen Kulturen des mittleren Donaubeckens deuten darauf hin, dass die Domestikation des dort lebenden Wildschweins schon am Anfang des Neolithikums erfolgt sein kann, d.h., vor ca. 6000 Jahren. Der römische Schriftsteller Columella berichtet von einer grobborstigen, hochbeinigen und starkknochigen Schweinerasse, die im 12. und 13. Jahrhundert östlich der Donau in Ungarn gehalten wurde. Es handelt sich um das Szalonter Schwein.

Weiter erwähnt er aschfarbene Schweine mit aufrecht stehenden Ohren westlich der Donau, das Bakonyer Schwein. Das Szalonter Schwein ist vom Fleischschweintyp und stammt wahrscheinlich aus Italien (Monstori 1892). Es hat rötliche, zum Teil gekräuselte, zum Teil auch glatte Haare (Fischer 1862). Das Bakonyer Schwein stammt vom ungarischen Wildschwein ab, entspricht dem Fettschweintyp und besitzt rötlich schwarze und grauschwarze krause Haare.

Belege für eine zumindest regional bedeutsame Schweinemast sind Urkunden aus dem 12., 15. und 16. Jahrhundert, die von einer Eichelmastordnung in den „herrschaftlichen“ Wäldern handeln und die Abgaben an die jeweiligen geistlichen oder weltlichen Herrscher regeln. In einzelnen Großgütern entstanden ganze Stammfamilien an Schweinehirten. Im Bakonyerwald gab es Gemeinden, die sich nur aus Schweinehirten zusammensetzten. Anfang des 19. Jahrhunderts wandelte sich allmählich die extensive Eichelmast in den Wäldern. Die Waldrodung schritt voran und aus Amerika wurde der Mais eingeführt, der im trockenen kontinentalen Klima Ungarns bald weit verbreitet angebaut wurde.

Der Mais wurde u.a. als Schweinemastfutter eingesetzt, was zu einer erheblichen Intensivierung der Schweinemast führte (Rostasinski 1912). Das Jahr 1833 ist besonders bedeutend für die Schweinezucht in Ungarn: Der Palatin Josef führte unter Vermittlung des Schweinehändlers Mathias Pfeifer 12 Schweine aus der Zucht des serbischen Fürsten Milos ein. Diese Schweine wurden Sumadja-Schweine genannt, Milos-Schweine oder serbische Mangalitza. Die genaue Bezeichnung ist „Schumadinka“. Diese Schweine wurden mit den in Ungarn heimischen Bakonyer und Szalonter Schweinen gekreuzt. Es entstand so das „Ungarische Mangalitza-Schwein“ (Fitzinger 1858). Die Mangalitzas wurden in Ungarn sehr beliebt, da sie „alle vaterländischen Bedürfnisse befriedigen“, wie die zeitgenössischen ungarischen Autoren betonen.

Gemeint ist die Kombination aus guter Mastfähigkeit, Widerstandskraft und Robustheit und der leichte Fettansatz, den die Wollschweine als „vorzügliches Fettschwein“ ausmachen. Die Mangalitzas waren bald auf dem gesamten Balkan verbreitet (Scheldemann 1903, Dorner de Enese 1926, Hofmann 1991).

Autor: Jürgen Flegler